
Systemische Coaching Methoden im Überblick
Was wirklich wirkt – und warum.


Coaching ist mehr als die Summe seiner Methoden.
Aber die richtigen systemischen Methoden, im richtigen Moment, machen den Unterschied zwischen einem guten und einem hervorragenden Coaching. Hier finden Sie eine Übersicht der Methoden und Werkzeuge aus dem systemischen Repertoire, die ich am häufigsten einsetze – mit Hinweisen darauf, wann und warum sie wirken.
Coaching ist mehr als Methoden – aber sie helfen.
Systemisches Coaching arbeitet mit dem Menschen als Teil eines Ganzen – mit Beziehungen, Mustern, Glaubenssätzen und Werten. Eine Meta-Studie von Lotte et al. zeigt: Den größten Anteil am Erfolg eines Coachings hat die Beziehung zwischen Coach und Coachee. Die Methoden tragen einen kleineren, aber entscheidenden Teil dazu bei – wenn sie zum Coachee und zum Thema passen. Richtig gewählte Methoden machen aus einem guten Coaching ein hervorragendes.
Die folgende Liste wächst beständig. Wenn Sie gerade in ein Coaching mit mir einsteigen möchten, empfehle ich Ihnen, vorab den Selbsttest Innere Antreiber zu machen oder die Inneren Saboteure zu erkunden – beides ist ein guter Ausgangspunkt für die spätere Arbeit an Glaubenssätzen und Werten.
Raus aus dem Kopf, rein ins Spüren – Systemische Strukturaufstellungen
„Das ist spooky.“ So oder ähnlich reagieren Coachees häufig auf eine meiner liebsten Methoden im Coaching: die Strukturaufstellung.
Wenn Menschen ins Coaching kommen, haben sie meist schon lange über ihr Thema nachgegrübelt – und drehen sich dabei im immer gleichen Gedankenkarussell. Auf der kognitiven Ebene zu bleiben und dieselben Gedanken zum tausendsten Mal zu denken, bringt selten etwas Neues. Hilfreicher ist es, den Coachee ins Fühlen kommen zu lassen – und auch einmal den „Bauch“ sprechen zu lassen. Der hat oft viel zu sagen.
Dafür sind Strukturaufstellungen ideal. Anders als bei Familienaufstellungen werden hier keine Personen aufgestellt, sondern alle Teile eines Themas – inklusive Platzhalter für Aspekte, die noch unbewusst sind. Beim Ablaufen und Beschreiben der einzelnen „Stationen“ kommt im wahrsten Sinne des Wortes Bewegung in das Thema. Die Puzzleteile lassen sich aus anderen Perspektiven betrachten und neu anordnen. Ein neues Bild entsteht – und die Teile fallen oft fast von selbst an ihren richtigen Platz.
Das Eindrücklichste an dieser Methode: Coachees erleben eine Klarheit, die sie kognitiv nicht hatten – als ob „Schuppen von den Augen“ fallen. Genau dieser Aha-Moment ist oft der Beginn echter Veränderung.
Besonders hilfreich bei: Be YOU – beruflicher oder persönlicher Orientierung, bei denen das Bauchgefühl mitreden soll.
Perspektivwechsel statt Selbstgespräch – Zirkuläres Fragen
„Was würde Ihre beste Freundin sagen, wenn ich sie fragen würde, wie es Ihnen gerade wirklich geht?“
Das ist eine zirkuläre Frage – und sie funktioniert oft besser als die direkte Variante. Wenn ich Sie nämlich frage „Wie geht es Ihnen?“, antworten Sie mir wahrscheinlich aus dem Selbstbild, das Sie nach außen tragen. Wenn ich aber Ihre beste Freundin in Gedanken zum Sprechen bringe, kommen oft ganz andere Antworten – ehrlichere, manchmal unbequemere, fast immer aufschlussreichere.
Zirkuläres Fragen ist eines der wichtigsten Werkzeuge der systemischen Arbeit. Statt direkt nach Gefühlen, Meinungen oder Erklärungen zu fragen, wechselt der Coach die Perspektive: „Was würde Ihr Chef sagen, was Sie an dieser Aufgabe besonders gut können?“ – „Wie würde Ihre Tochter in zehn Jahren über die Entscheidung sprechen, die Sie heute treffen?“ – „Was würden Sie an meiner Stelle jetzt noch fragen, das ich noch nicht gefragt habe?“
Solche Fragen umgehen den inneren Zensor und öffnen Räume, die mit direkten Fragen verschlossen blieben. Sie bringen verdeckte Annahmen, Beziehungsdynamiken und Selbstbilder ins Bewusstsein – oft mit überraschender Klarheit.
Besonders hilfreich bei: Be Strong und Be YOU – wenn Selbstbilder und Erwartungen anderer durcheinandergeraten sind.
Mit sich selbst ins Reine kommen – Inneres Team
Sie kennen sicher das Bild des Teufelchens und des Engelchens, die in alten Filmen auf den Schultern sitzen und dem Helden ins Ohr flüstern. Vieles daran stimmt – wir alle haben solche inneren Stimmen –, aber die Vorstellung suggeriert, dass eine davon böse ist und Schaden anrichten will.
Im Coaching nennt man diese Stimmen das innere Team. Sie stehen für unterschiedliche Bedürfnisse, die manchmal in Konflikt geraten. Zusammen ergeben sie unsere Persönlichkeit.
Ein Beispiel: Die eine Stimme will, dass Sie Sport machen, um fit zu bleiben. Die andere will Energie tanken, weil ohnehin viel zu tun ist. Diese zweite Stimme nennen wir oft genervt das „Faultier“ – dabei verfolgt auch sie eine positive Absicht. Sie will etwas Gutes für uns: Erholung. Wir sehen das nur oft nicht.
Solange wir diese Stimme bekämpfen, bekommen wir sie nicht zum Schweigen – weil sie ein echtes Bedürfnis ausdrückt. Besser funktioniert: die positive Absicht hinter der Stimme erkennen, das Bedürfnis anerkennen, ihr einen freundlichen Namen geben (zum Beispiel „die Wellnessmanagerin“) und schließlich aushandeln, wie beide Bedürfnisse zu ihrem Recht kommen. Das ist die eigentliche Coaching-Arbeit.
Besonders hilfreich bei: Be Strong – inneren Konflikten zwischen widerstreitenden Bedürfnissen.
Situationen und Verhalten neu bewerten – Reframing
„Sie sind so ein furchtbarer Sturkopf!“ – „Oh, danke für das Kompliment, dass ich konsequent bin!“
Schon einmal so auf einen Vorwurf reagiert? Dann haben Sie sicher eine interessante Reaktion erlebt. Ein negativ empfundenes Verhalten in einen positiven Rahmen zu stellen, nennt man Reframing. Die Grundhaltung dahinter: Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht – wir müssen sie nur entdecken.
Es gibt zwei Formen des Reframings:
Bedeutungs-Reframing. Eine andere Bedeutung für das gleiche Verhalten finden. Merkmal: „Immer wenn X, dann Y“ – ein Ursache-Wirkung-Zusammenhang. Frage: Was könnte das noch bedeuten? Beispiel: „Ich erleide durch den Fehler eines Mitarbeiters einen Verlust.“ → „Ich investiere in seine Ausbildung.“ (zugeschrieben Henry Ford)
Kontext-Reframing. Für eine ungeliebte Eigenschaft einen Kontext finden, in dem sie nützlich ist. Merkmal: „Ich bin zu X“ – das Verhalten wird zur Identität. Frage: In welcher Situation ist das nützlich? Beispiel: „Ich bin zu langsam“ → „Ich arbeite gründlich.“
Der Effekt: Der Fokus verschiebt sich auf Vorteile und positive Absicht – und damit zu einer Aussöhnung mit sich selbst oder dem Gegenüber. Mit etwas Übung wird das Uminterpretieren schnell zur Gewohnheit.
Besonders hilfreich bei: Be Strong – Selbstkritik und schwierigen Beziehungen.
Hinderliche Überzeugungen ablegen – Werte- und Entwicklungsquadrat
Das Gegenteil von Perfektion ist Schlampigkeit. Zumindest ist das die hinderliche Überzeugung vieler perfektionistischer Menschen. Vielleicht auch Ihre?
Wer schon einmal versucht hat, ein Verhalten zu ändern, kennt es: Sie nehmen sich vor, die Präsentation nicht zum tausendsten Mal zu kontrollieren, sondern früh ins Bett zu gehen – und schaffen es trotzdem nicht. Oder wenn doch, dann mit schlechtem Gewissen. Der Grund liegt im Gegenwert, an den wir denken. Bei Perfektionismus denken wir an Schlampigkeit – und niemand will schlampig sein.
Das Werte- und Entwicklungsquadrat von Schulz von Thun zeigt, dass es zu jeder Übertreibung einen positiven Grundwert gibt. Bei Perfektionismus ist das Genauigkeit – also: gründlich kontrollieren, aber nicht die ganze Nacht. Und es gibt einen positiven Wert für den vermeintlichen Gegenwert: hier Gelassenheit. Beides ist eine mögliche Entwicklungsrichtung, wenn ein eigenes Verhalten Sie stört.
Der Weg zur Entwicklung:
Welcher Wert steckt hinter Ihrem Verhalten?
Was wäre der vermeintliche Gegenwert?
Welcher der beiden ist übertrieben? (Vermutlich der erste.)
Was wäre der positive, nicht übertriebene Wert dazu?
In welche Richtung möchten Sie sich entwickeln?
Das Wertequadrat ist ein ideales Werkzeug für die Arbeit an Werten und Glaubenssätzen.
Besonders hilfreich bei: Be Strong und Be YOU – Selbstoptimierung, die zur Falle wird.
Verhalten & Empfindungen ändern – Ankern
Sie sind sicher schon einmal explodiert, obwohl Sie sich vorgenommen hatten, in einer bestimmten Situation gerade nicht aus der Haut zu fahren. So geht es uns allen. In dem Moment, in dem ein bekannter Auslöser kommt, sind alle Vorsätze vergessen – und der übliche Reaktionsverlauf beginnt fast automatisch.
Eine Methode, die viele kennen, ist tiefes Durchatmen. Wer es schafft, einen Moment lang innezuhalten, reagiert meist auch entspannter. Das Problem: Genau diesen Moment des Innehaltens verpasst man oft.
Eine zusätzliche Hilfe ist es, im Vorfeld einen Anker zu setzen – ein körperliches Signal, das eine hilfreiche Emotion auslöst:
Welche Emotion oder welches Gefühl würde in dem Moment helfen?
Erfühlen, ob diese Emotion in der Situation wirklich einen Unterschied machen würde.
Eine Situation suchen, in der diese Emotion stark erlebt wurde.
Sich in diese Situation versetzen und sie mit allen Sinnen nacherleben.
Im Höhepunkt einen körperlichen Anker setzen – zum Beispiel zwei Finger zusammenpressen.
Üben – auch in der Vorstellung.
Den Anker im nächsten kritischen Moment bewusst aktivieren.
Besonders hilfreich bei: Be at Peace – impulsiven Reaktionen unter Druck.
Neue Möglichkeiten schaffen – Wunderfrage und Merlin-Methode
„I live my life from the future towards the past.“ – Merlin
Schon einmal probiert? Mit der Merlin-Methode planen Sie rückwärts: vom Ziel zum Start. So funktioniert es:
Malen Sie sich ein farbenfrohes inneres Bild Ihres Ziels.
Stellen Sie sich vor, Sie haben es bereits erreicht.
Spüren Sie, wie sich das anfühlt – was dadurch alles möglich wird.
Was war der letzte Schritt, bevor das Ziel erreicht war?
Und der Schritt davor?
Und davor?
Welche Hürden haben Sie unterwegs gemeistert – und wie?
Um die Vorstellung zu beflügeln, können Sie sich vorstellen, ein Reporter interviewt Sie über Ihren Erfolg – oder Sie sitzen mit Ihrem Team beim Abschlussfest und erinnern sich gemeinsam.
Warum das wirkt: Statt zu fragen „Ist das möglich?“ fragen Sie „Wie geht das?“ – das macht das Gespräch lösungsorientiert. Während es viele mögliche erste Schritte gibt, gibt es meist nur einen letzten – das reduziert Diskussionen über den richtigen Weg. Und ein klares inneres Bild vom Ziel sorgt für Motivation und Einigkeit aller Beteiligten.
Im Coaching wird diese Idee oft als Wunderfrage (Steve de Shazer) eingesetzt: „Stellen Sie sich vor, Sie schlafen ein, und über Nacht passiert ein Wunder – Ihr Problem ist gelöst. Was bemerken Sie als Erstes, wenn Sie aufwachen? Wie fühlt es sich an?“
Besonders hilfreich bei: Be YOU – wenn alte Pfade festgefahren sind und neue Möglichkeiten gefunden werden sollen.
Aus festgefahrenen Entscheidungen ausbrechen – Tetralemma
Wenn Menschen mit einer Entscheidung im Coaching ankommen, ist es selten „Soll ich A wählen oder B?“. Meist ist es: „Ich kann mich nicht zwischen A und B entscheiden – egal wie oft ich es durchdenke.“ In solchen Fällen bringt es nichts, weiter zwischen den beiden Optionen abzuwägen. Das Tetralemma weitet das Feld stattdessen auf vier Positionen – plus eine fünfte, die das Spiel verändert:
Das Eine – Option A in ihrer ganzen Konsequenz
Das Andere – Option B in ihrer ganzen Konsequenz
Beides – Was wäre, wenn beide Optionen gleichzeitig wahr sein dürften?
Keines von beidem – Was, wenn keine der beiden Optionen die richtige Frage ist?
All das nicht – und auch das nicht – die Position jenseits der bisherigen Logik, die etwas völlig Neues möglich macht
Coachees stellen diese Positionen oft im Raum auf und gehen sie körperlich ab. Was rein gedanklich wie Wortklauberei klingt, wird beim Erleben überraschend konkret: Position 3 („Beides“) zeigt oft, dass die scheinbar widersprüchlichen Optionen einen gemeinsamen Kern haben. Position 4 („Keines von beidem“) macht sichtbar, dass die Frage selbst falsch gestellt war. Und die fünfte Position öffnet den Raum für eine Lösung, an die man von A oder B aus nie gekommen wäre.
Das Tetralemma stammt ursprünglich aus der indischen Logik und wurde von Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer für die systemische Arbeit nutzbar gemacht.
Besonders hilfreich bei: Be YOU – Entscheidungssituationen, in denen das übliche Pro-und-Kontra-Denken nicht weiterhilft.
Weitere Methoden außerhalb des klassisch-systemischen Repertoires.
Manchmal braucht ein Thema mehr als systemisches Arbeiten – sei es körperbetonte Gefühlsarbeit, eine quantitative Werteanalyse oder ein Tier als unbestechlichen Spiegel. Diesen Methoden habe ich eigene Seiten gewidmet:
Brainlog® – körperzentrierte Methode zur Auflösung tiefer Belastungsmuster.
Profile Dynamics® / Spiral Dynamics – quantitative Werteanalyse auf Basis der Forschung von Clare Graves.
Pferdegestütztes Coaching – Pferde als ehrlicher Spiegel für Authentizität, Präsenz und Führung.
Positive Intelligence® – mentale Fitness, auch app-gestützt im sechswöchigen Programm.
Welche Methode passt zu Ihrem Thema?
Im kostenfreien Discovery Call schauen wir gemeinsam, mit welchen Methoden ich Sie auf Ihrem Weg am besten begleiten kann.

